Durch den Wald

Wenn ich die letzte Straße überquere stoppe ich meine Uhr nochmal. Halte Ausschau nach Autos, die mir den Weg abschneiden. Kommt nichts? Dann los. Die Uhr drücken und loslaufen. Mit einem langen Schritt, man kann es kaum Sprung nennen, über den Bach. Der Fuss landet sicher auf der anderen Seite und fängt die Energie ab. Die Sehnen sind gespannt, katapultieren mich in den nächsten Schritt. Ich nehme den Kopf runter und weiche den Ästen aus, die sonst nach meinen Kontaktlinsen gegriffen hätten.

Der Weg ist schmal, man kann hier nicht nebeneinander laufen. Ist egal. Bin ja alleine. Der Boden ist weich, weil es die letzte Nacht etwas geregnet hat. Meine Schritte höre ich kaum. Dafür meinen Atem. Ich keuche. Es ist ja auch der erste Lauf in diesem Tempo seit etwa fünf Wochen.

Fünf Wochen ist eine lange Zeit. Zu lange vielleicht um noch viel vom Training der letzten Saison mitzunehmen. Trotzdem habe ich mich für diesen Weg entschieden und mal richtig losgelassen. Es hat schon fast drei Wochen gedauert, bis zum ersten Tag, an dem ich nicht ans Laufen gedacht habe. Meinem Körper geht es gut. Ein Ziehen hier, ein Stechen da, also nichts besonderes. Mein Geist war härter angeschlagen von der letzten Saison. So gut trainiert und dann doch nichts bei rumgekommen. Frustrierend. Wäre ich früher ins Training für die neue Saison eingestiegen, hätte ich vielleicht etwas von der Frustration der letzten Wochen mit in die neue Saison genommen. Das wollte ich auf keinen Fall, wollte mit Spaß die neue Saison beginnen.

Es geht bergauf, ich bin jetzt auf einem der breiten Schotterwege. Die Uhr zeigt das erste Mal einen Schnitt unter vier Minuten an und vorne am Waldrand scheint die Sonne. Also werde ich nochmal schneller, die Sonne will ich nicht verpassen.

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