Nicht alleine unterwegs

Am Anfang habe ich es gar nicht gemerkt. Ich schnüre meine Schuhe wie gewohnt. Dann der Doppelknoten und die überstehenden Schnürsenkel am Schuh eingeklemmt. Das war also erledigt. Dann der Weg durchs Treppenhaus. Vierter Stock, dritter Stock, zweiter Stock, erster Stock und da: Tür auf, raus.

Ich greife wie immer ans Handgelenk, die Uhr aktivieren. Auf GPS-Signal warten. Das Signal kündigt sich mit einem Piepsen. Nochmal der Griff zur Uhr, nochmal ein Piepsen. Die Stoppuhr läuft und jetzt laufe auch ich.

Und ich habe immer noch nichts bemerkt. Linker Fuß, rechter Fuß. Es ist kalt, ich kann meinen Atem sehen. Den Doberman sehe ich nur aus dem Augenwinkel. Locker bleiben, Puls steigt. Am Doberman vorbei. Den Besitzer freundlich angegrinst, weiter. Doch warte, da.

Langsam spüre ich es. Mein Begleiter ist nicht groß. Er ist alles andere als mächtig, eher klein und… Ja, klein und spitz. Vielleicht auch ein wenig wendig, sofern man ein wenig wendig sein kann. Ich bin schon vorbei am Spielplatz, an der Schleuse. Fast schon auf dem Rückweg.

Je näher ich wieder meinem Startpunkt komme, desto mehr nervt mich mein Begleiter. So oft wünsche ich mir jemanden, mit dem ich laufen kann. Aber nicht heute. Es bleibt nur eine Möglichkeit: Die Flucht nach vorne. Also gut, einige schnelle Schritte, das Tempo erhöht. Meine Uhr bestätigt mir eine Zeit von unter vier Minuten auf den Kilometer und trotzdem: Mein Begleiter ist nicht abzuschütteln. Ein ganz schön zäher Hund.

Ich bin am verzweifeln. Entnervt stoppe ich meine Uhr und lass es austrudeln. Und siehe da: Auch mein Begleiter wird langsamer. Ich schimpfe vor mich hin und ärgere mich. Ich beuge mich zu meinen Schuhen, mit Schwung öffne ich den Doppelknoten. Schlüpfe aus meinem Schuh und sehe den kleinen Stein, der mich von Anfang an begleitet hat.

Wenigstens war ich nicht alleine.

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